[1.3] Gehirn – zentrales nervöses System

Dass der weibliche Eierstock ein Hormon freisetzt, das im Gehirn einen beruhigenden Effekt ausübt, war lange nicht bekannt, erklärt aber die Geschlechtsunterschiedlichkeit mancher neurologischer Phänomene. Das Progesteron der 2. Zyklushälfte, welches im Eierstock der Frau hergestellt wird, kann im weiblichen Körper weiter verwendet und in das sogenannte Alupregneralom umbewandelt werden, das wie ein selektiver Seratonin »reabdeckend«, also ein sehr geläufiges Beruhigungspulver wirkt. Der weibliche Körper sorgt demnach über den Eierstock selbst über sein seelisches Equlilibrium. Die Erklärungen dafür liegen in jenen Mechanismen, die beim Mädchen die Pubertät einläuten. Die Umstellung scheint viel komplexer zu sein als bei den Knaben. Dies erklärt auch den intensiveren Kommunikationskontakt zwischen Eierstock und Gehirn.

Das zentralnervöse System weist geschlechtsspezifische Unterschiede auf, die erklären, warum Frauen vermehrt zu Migräne, zur depressiven Verstimmung, aber auch zum Karpaltunnelsydrom inklinieren. Beschwerden, die in der Vergangenheit in Unkenntnis der Ätiologie oft ironisiert wurden. Progesteronmetabolite besetzen den GABA-Rezeptor. Ein Defizit an progesteronverwandten Hormonen, aber auch eine Hormonstörung können zu einer mangelhaften Besetzung und Modifizierung dieses zentralsedierenden Rezeptors führen. Dieser Umstand erklärt nicht nur die lebensphasenabhängigen depressiven Verstimmungen der Frau, sondern auch manche Formen der unilateralen fokalen Epilepsie, die bei polyzystisches Ovar-Patientinnen vermehrt vorkommen. Bei der Behandlung zahlreicher neurologischer Erkrankungen wird man in Zukunft mehr als in der Vergangenheit zur Kenntnis nehmen müssen, daß die Geschlechtsspezifität eine große Rolle spielt, die letztendlich in der unterschiedlichen endokrinen Ausstattung von Mann und Frau begründet ist. Dementsprechend wird auch eine kausale Therapie nur dann möglich sein, wenn die Geschlechtshormonabhängigkeit mancher neurologischer Erkrankungen erkannt wird.

Die Kenntnisnahme um die Interaktion zwischen Nervensystem und weiblichen Sexualsteroiden wird von Tag zu Tag größer. Östrogene scheinen auf zahlreiche zentral wirkende Enzyme einen hohen Einfluß auszuüben und modifizieren damit verschiedene Neurotransmitter. Auch Dopamin bzw. den Dopaminrezeptorstatus scheinen Steroide zu beeinflussen. Bekannt ist seit kurzem, daß die Regeneration der Myelinscheiden vom Progesteron stimuliert werden kann, eine Erkenntnis, die unabhängig von der geschlechtsspezifischen Medizin möglicherweise für eine Reihe neurologischer Fragen interessant werden wird.

Migräne

Der Kopfschmerz, aber auch die Migräne müssen nicht, können aber mit den Hormonen zusammen hängen, vor allem dann, und dieser Hinweis wird von den Patientinnen oft selbst gegeben, wenn Kopfschmerzattacken aber auch Migräne-Anfälle zyklusabhängig auftreten, d.h. entweder in der 2.Zyklusphase vor der Menstruation oder während der Menstruationsblutung. Eine derartige Zyklizität und Regelmäßigkeit lässt tatsächlich die Wahrscheinlichkeit groß sein, dass die Hormone hier ebenfalls ihre Hände mit im Spiel haben.

Tatsächlich weiß man, dass die Hormone des Eierstockes Neurotransmittoren im Gehirn beeinflussen können, welche an der Entstehung der Migräne beteiligt sind. Das Auf und Ab der Geschlechtshormone – so wie sie während des Zyklus im Eierstock gebildet werden – bewirken auch ein Auf und Ab von Neurotransmittoren, die über die Wirkung an den Hirnblutgefäßen Kopfschmerzen und Migräne-Anfälle hervorrufen können.

Tritt der Migräneanfall vor allem praemenstruell, d. h. innerhalb der letzten Zykluswoche, also unmittelbar vor Beginn der Menstruation auf, so kann man davon ausgehen, dass der Progesteronabfall dafür verantwortlich ist. Das Progesteron ist das Hormon der zweiten Zyklushälfte, das allerdings vor Beginn der Regelblutung abzufallen beginnt. Diese Hormonbewegung, diesen Abfall, spüren die Neurotransmittoren und können mitunter dadurch Kopfschmerzen bzw Veränderungen an den Blutgefäßen, die zur Migräne führen, hervorrufen. Von Seiten der Hormone besteht die Behandlung darin, den Abfall des Progesterons langsamer von statten gehen zu lassen, d.h. eine Zufuhr von praemenstruellem Progesteron, am besten in Form von Zäpfchen, erweist sich sinnvoll. Berichtet die Patientin, dass der Anfall 3 Tage vor der zu erwartenden Regel – stereotyp – eintrifft, so soll man 7 Tage vor Beginn der Regel am Abend ein Progesteron-Zäpfchen zu sich nehmen.

Ist der Kopfschmerz bzw. die Migräne-Attacke jedoch vor allem auf die Menstruationszeit beschränkt, so können dafür einerseits das niedrige Östrogen – während der Menstruation – andererseits aber auch die entzündungsähnlichen Vorgänge dafür verantwortlich sein. Besonders leiden Frauen unter der Pille darunter und zwar nicht während sie die Pille nehmen sondern in der Pillen-Pause. Die Zufuhr eines Östrogens kann in vielen Fällen das Problem lösen, wobei das Östrogen am besten in Form eines Pflasters appliziert werden soll. Oft genügen innerhalb der ca.5 Tage dauernden Menstruation das Östrogen-Pflaster zweimal zu applizieren.

Tritt die Migräne unabhängig vom Zyklus auf, so kann sie trotzdem hormonabhängig sein, man wird dies von der Antwort einer Frage abhängig machen, nämlich ob die Patientin schwanger war und ob während der Schwangerschaft die Migräne sich gebessert hat. Wenn dies der Fall ist, dann kann man davon ausgehen, dass das auch in der Schwangerschaft sehr hoch konzentrierte Gelbkörperhormon auch in diesem Fall der Patientin Linderung und Besserung verschafft.

Tritt eine Migräne nicht in der Pillenpause sondern während der Pilleneinnahme oder unter einer Hormoneinnahme auf, so ist sofort der Arzt zu konsultieren bzw. die Hormonbehandlung zu beenden. Da möglicherweise auch Entzündungs-ähnliche Vorgänge bei der Migräne eine Rolle spielen, empfiehlt sich Fischöl-Kapseln zu probieren.

Depression

Depressive Verstimmungen können viele Ursachen haben. Die Umwelt, die Partner, die Eltern, der Arbeitsplatz, die Kinder, etc. Allerdings gibt es auch depressive Verstimmungen, die durch Hormonstörungen hervorgerufen werden, wobei – oft intuitiv richtig – von der Frau deshalb oft die Diagnose gestellt wird, weil sie in einem geborgenen Ambiente wohnt, keine partnerschaftlichen Konflikte austragen muss, wohlerzogene Kinder besitzt und trotzdem über enorme depressive Verstimmungen klagt. Den Zusammenhang mit den Hormonen diagnostiziert die betroffene Frau deshalb, weil das Auftreten der seelischen Turbulenzen mit dem Beginn von Hormonstörungen zusammenfiel. Dies sieht man vor allem während des Klimakteriums oder unmittelbar schon vorher. Aus dem heiteren Himmel klagen die Patientinnen über plötzliche seelische Verstimmungen, mitunter sogar über Suizid-Gedanken, was sie sich allerdings nicht erklären können, da ansonsten in ihrem Leben alles stimmt.

Depressive Verstimmungen können aber schon früher die Frauen belasten, z.B. vor der zu erwartenden Menstruation, im Rahmen des praemenstruellen Syndrom. Besonders anfällig sind auch junge Mädchen unmittelbar nach der Pubertät. In dieser Lebensphase kommen besonders häufig Panik-Attacken, Depressionen und Phobien vor.

Die Kooperation mit dem Psychiater ist selbstverständlich. Allerdings muss man zur Kenntnis nehmen, dass ein Teil dieser seelischen Probleme, die bei der Frau auftreten, tatsächlich hormonellen Ursprungs sind und nicht unbedingt mit Psychopharmaka bis zum jüngsten Gericht behandelt werden müssen.

Man weiß heute, dass das reine Progesteron, das Gelbkörperhormon, im Gehirn eine ausgesprochene beruhigende Wirkung entfaltet. Es besetzt die so genannten GABA-Rezeptoren und wirkt wie ein selektiver Serotonin-Re-Uptake-Inhibitor, das ist jene Medikamentengruppe, die dzt.als Antidepressive eingesetzt werden. Das Progesteron ist das natürliche Antidepressivum, das sich das weibliche Gehirn selbst macht. Wenn es fehlt, wie z.B. nach der Pubertät, vor der Menstruation oder in der Menopause, so kann das furchtbare seelische Turbulenzen hervorrufen, die tatsächlich hormonellen Ursprung haben.

Wenn aus Sicherheitsgründen psychiatrische Erkrankungen ausgeschlossen wurden, empfiehlt es sich für 14 Tage am Abend das reine Progesteron, allerdings als intravaginales Zäpfchen, zu sich zu nehmen. Das Gelbkörperhormon Progesteron muss in das so genannten Alopregnolonon umgewandelt werden, jenes Hormon, dass erst die beruhigende Wirkung entfaltet. Wird ein künstliches Gestagen zugeführt oder das Progesteron durch die Leber dem Körper angeboten, so kann es sein, dass die beruhigende Wirkung nicht zu tragen kommt, da das Alopregnolonon nicht gebildet werden kann. Oft bemerken schon relativ bald die Frauen die beruhigende Wirkung des Progesterons: führt man es nämlich tatsächlich am Abend als Scheidenzäpfchen ein, so registriert man einen beruhigenden und Schlaffördernden Effekt. Deswegen soll das Progesteron auch tatsächlich nur am Abend eingenommen werden. Zunächst genügen 10-14 Tage – jeweils vor der zu erwartenden Regel – den Zyklus einhaltend.