[3.3.1] Akne

Wenn die Nebenniere in der Pubertät beginnt, männliche Hormone zu produzieren – das ist die Voraussetzung für die Geschlechtsreife – dann gelangen mitunter zu viele dieser männlichen Hormone in die Haut und erzeugen dort Akne. Vor allem im Gesicht ist die Haut mit vielen Talgdrüsen ausgestattet, die normalerweise Schutz-Substanzen für den Körper produzieren. Die männlichen Hormone regen die Talgproduktion an, wenn es also im Rahmen der Pubertät zu einer vermehrten Bildung dieser männlichen Hormone kommt, dann wird auch vermehrt Talg in der Haut synthetisiert. Dies wäre kein Problem, wenn der Talg abfließen könnte. Allerdings haben die männlichen Hormone noch eine zweite Wirkung: Sie stimulieren das Hautwachstum, die Hautschicht wird dicker und damit kann es zu einem Verstopfen der Talgdrüsenausführugnsgänge kommen. Damit sind die männlichen Hormone an zwei Mechanismen beteiligt, die schlussendlich die Akne hervorrufen: Einerseits wird vermehrt Talg synthetisiert, andererseits wird die Freisetzung des Talgs verhindert, sodass sich ein Rückstau entwickelt, der sich entzünden kann – die roten Pusten entstehen. Die männlichen Hormone sind für das heranwachsende Mädchen genauso wichtig wie für den Knaben, denn auch der weibliche Organismus kann die Östrogene, die weiblichen Hormone, erst aus den männlichen herstellen, diese sind demnach eine Vorstufe für die Östrogene. Bildet im Überschuss der beginnenden Pubertät die Nebenniere zu viel dieser männlichen Hormone und wird nicht alles in Östrogene umgewandelt, so kann in der Haut in der Überschuss entstehen, der zu einer vermehrten Talgproduktion, aber auch zu einem Verschluss der Talgdrüsen führt. Dadurch entsteht die Akne. Dies ist nicht nur auf die Zeit der Pubertät konzentriert, manchmal findet man noch Jahre danach – entweder eine vermehrte Androgenbildung, oder eine verstärkte Sensibilität der Haut für diese männlichen Hormone.

Junge Mädchen leiden oft im besonderen Ausmaß an den Hautpusteln, deswegen ist es notwendig alles zu tun, um die Haut schöner zu machen.

Seit vielen Jahrzehnten ist ein Anti-Hormon, ein Gegner der männlichen Hormone, im Einsatz, das Cyproteronacetat, das in der Haut die Wirkung der männlichen Hormone verhindert bzw.reduziert. Dadurch muss man nicht direkt in die Hormonproduktion eingreifen, sondern man blockiert lediglich die Wirkung der männlichen Hormone in der Haut. Allerdings soll dieses Cyproteronacetat stets mit einer Pille kombiniert werden, um sicher zu sein, dass es zu keiner Schwangerschaft kommt. Denn die würde, falls es ein »Bub« würde, verweiblichen.

Das Cyproteronacetat kann allerdings auch lokal aufgetragen werden, ohne dass man eine Tablette schlucken muss. Dies empfiehlt sich vor allem dann, wenn die Akne nur an einer bestimmten Stelle – in umschriebener Weise – vorhanden ist.

Einzelne Berichte liegen vor, dass auch dem Östrogen ein günstiger Einfluss auf die Akne zukommt. Neben den Hormonen, mit denen man sehr viel gegen die Akne tun kann, hat die Medizin Fruchtsäure und Vitamin-A-Derivate ebenfalls noch zur Verfügung. Beide verstehen es – wenn auch im unterschiedlichen Zugang – die Talgausführungsgänge zu erweitern und das Ausströmen des Talgs zu ermöglichen. Auch eine mäßige Sonnenbestrahlung hat den gleichen Effekt.

Manche diätetische Maßnahmen (z,.B. Verzicht auf Schokolade) erweisen sich als sinnvoll und demonstrieren, dass auch Nahrungsmittel einen Einfluss auf das Hautbild ausüben können.

I. Definition

Sammelbegriff für mit Knotenbildung einhergehende Erkrankungen des Talgdrüsenapparates und der Haarfollikel. Bei der Akne handelt es sich um ein Problembild, das sowohl vom Dermatologen wie auch vom Gynäkologen gemeinsam behandelt werden soll.

II. Ursachen

  • vermehrte androgeninduzierte Talg-Produktion
  • androgenbedingte Verengung der Talgdrüsenausführungsgänge
  • dadurch bedingte Entzündung des retinierten Talgdrüseninhaltes

III. Diagnostik (Hormonbestimmungen)

  • LH, FSH (zum Ausschluß des PCO´s)
  • Testosteron, DHEAS (zum Ausschluß der ovariellen bzw. adrenalen Hyperandrogenämie)
  • 17-Hydroxyprogesteron (zum Ausschluß eines AGS)
  • TSH (zum Ausschluß einer Hypothyreose/ Hyperthyreose)
  • Androsteron-3 Alpha-dual-Glucuronid (intraderm. Androgen-Metabolisierung)
  • Prolaktin (Hyperprolaktinämie spricht oft für Hypothyreose)
  • SHGB (bei niedrigem SHBG kann der Anteil der freien Androgene erhöht sein)

IV. Therapie

  1. Endokrine Therapie
    Diane mite in Kombination mit 10 mg Cyproteronacetat (Androdianeâ) oder 50-100 mg Cyproteronacetat (Androcurâ).
    Wenn eine Kontrazeption nicht nötig oder kontraindiziert ist: 2 mg Östradiol-Valerat (Progynovaâ) kontinuierlich in Kombination mit 10 mg CPA (Androdianeâ) oder 50 mg Cyproteronacetat (Androcurâ) in sequentialer Weise. Das Östradiol-Valerat durchgehend, das Cyproteronacetat 10-15 Tage jeweils vor der zu erwartenden Regel. (Cave: kein Empfängnisschutz)
    Topische CPA-Applikation:
    Rp.: / Cyproteronacetat 0.3
    ETOH 47.0
    m.f.Lotion
    s: CPA-Lotion
  2. Keratolytische Therapie:
    Retin-A-Behandlung (wird vom Dermatologen durchgeführt)
    Fruchtsäure-Therapie (20-40%)
  3. Antibiotische Therapie (bei Acne papulopustulosa)
    Minoxin
    Dalacin-Stift
  4. Additive Therapie
    Vitamin-A: 25.000 IE, 50 mg Zinkoratat, Acidophilus
    Diätberatung (keine Schokolade)

Interdisziplinäre Kooperation

Steht die dermatologische Komponente der Akne im Vordergrund bzw. handelt es sich um andere, nicht androgenetisch bedingte Formen der Akne (Acne conglobata, Akne rosacea, etc.), so kann die Patientin an eine Akne-Ambulanz einer Hautklinik überwiesen werden.