Zwei Sterilitätsursachen sind es vor allem, bei denen die Retortenbefruchtung durchgeführt wird: Einerseits die verklebten Eileiter, andererseits aber auch die schlechte Samenqualität, die ansonsten eine Schwangerschaft nicht möglich machen würde. Um dies zu umgehen, wird die In-vitro-Fertilisierung mit der introzytoplasmatischen Spermainjektion (IXI) kombiniert, die weltweit erstmals an der Wiener Universitätsfrauenklinik beschrieben wurde. Dabei werden Spermien mit Hilfe einer Mikropimpette direkt in die Eizelle injiziert.
Die Retortenbefruchtung kann aber auch aus anderen Gründen angezeigt sein, so z.B. bei der Endometriose, aber auch bei jenen Ehepaaren, wo scheinbar alles in Ordnung ist und man nicht weiß warum keine Schwangerschaft eintritt.
Das Prinzip der Retortenbefruchtung ist einfach: Man entnimmt mit Hilfe einer ultraschallgeführten Punktion über eine dünne Nadel aus dem Eierstock die Eizellen, bringt sie in Brutschrank in einem Kulturgefäß (deswegen »in-vitro«) mit aufbereiteten Spermien zusammen, wo dann die Befruchtung stattfindet. Die Frühembryonen werden dann mit einem dünnen Katheter durch den Muttermund in die Gebärmutterhöhle transferiert, damit hat man die Eileiter umgangen.
Um mehrere Eizellen zu gewinnen und damit die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zu erhöhen, wird der Eierstock über Tage vor der Eizellenentnahme mit Gonatotropinen, das sind Hormone die den Eierstock stimulieren und normalerweise in der Hirnanhangdrüse gebildet werden, stimuliert. Obwohl oft mehr als ein Dutzend Eizellen gewonnen werden, sollen nicht mehr als zwei Embryonen rücktransferiert werden, um Mehrlingsschwangerschaften zu vermeiden. Die in diesem Monat nicht verwendeten Embryonen können kryokonserviert, also tiefgefroren werden.
Für das Heranreifenlassen von Eizellen werden verschiedene Stimulationsprotokolle verwendet, wobei man heute auch auf diesem Gebiet das Prinzip langsam zu beherzigen beginnt »as low as possible«. Zwar werden von der Industrie standardisierte Injektionssätze angeboten, allerdings versucht man heute mehr auf die individuelle Situation der Frau einzugehen und die Dosis nicht schematisiert zu verabreichen. Denn eine unangenehme Nebenwirkung dieser Eierstocksvorbereitung, also der Stimulation ist die nach der Punktion mitunter auftretende Vergrößerung des Eierstocks bzw. das plötzliche Heranreifen zahlreicher Zysten. Dabei handelt es sich um ein OHSS (Ovarian Hyper Stimulation Syndrom), das in manchen Fällen einen stationären Aufenthalt in einem Krankenhaus notwendig macht. ●
