Univ.prof. DDr. Johannes Huber

Untersuchungen, die eine Risikoabschätzung für die Brust erlauben [7.4]

Detail eines Frauenportraits

Die Mammographie dient natürlich in erster Linie dazu, ein bösartiges Geschwür in der frühen Phase zu erkennen. Durch die Mammographie kann auch die „Brustdichte“ diagnostiziert werden, was in der Vergangenheit möglicherweise zu wenig berücksichtigt wurde. Die Brustdichte trägt eine hervorragende Information in sich. Sie gibt dem Befunder Aufschluss über die endokrine Aktivität in der Brust. Je dichter die Brust, umso höher die lokale Hormonkonzentration und umso gefährdeter das Brustdrüsengewebe. Oft gelingt es bereits durch Verzicht auf Alkohol, durch eine vermehrte sportliche Aktivität, durch eine besondere Diät, mitunter aber auch durch eine lokale Behandlung der Brust (unter ärztlicher Aufsicht) die Brustdichte zu senken. Auch Medikamente stehen zur Verfügung, die die Hormonproduktion in der Brust drosseln, was durch eine Abnahme der Brustdichte – dies wäre ja gewünscht – demonstriert werden kann.

Die Knochendichtemessung wurde in der Vergangenheit präferentiell unter dem Aspekt durchgeführt, ob eine Osteoporosegefährdung vorhanden ist oder nicht. Aber genauso, wie die Mammographie über die Frühdiagnose hinaus auch noch einen anderen Informationsgehalt in sich birgt, genauso bekommt man durch die Knochendichtemessung wertvolle Detailkenntnisse über die Brust – unabhängig vom Skelettsystem.
Bekannt ist, dass Östrogene einen stimulativen Effekt auf die Knochen ausüben. Je mehr Östrogen, umso stärker die Knochendichte. Der Gehalt an Mineralstoffen – und dies ist ein Ausdruck der Knochendichte – kann in vier Vierteln geteilt werden. Das unterste Viertel zeigt eine geringe, das oberste Viertel eine hohe Knochendichte an. Untersuchungen zeigten, dass Frauen mit einem Knochenmineralgehalt, der im obersten Viertel lag („oberste Quartil“) ein erhöhtes Risiko für eine Brusterkrankung in sich tragen, da die Knochendichte die Östrogenkonzentration im Körper der Frau widerspiegelt. Je höher also das Östrogen, umso höher auch die Knochendichte. Die meisten Frauen verfügen in der Postmenopause über einen Knochendichtebefund, der mühelos und ohne Kosten auch für die Abschätzung der Brustbelastung verwendet werden könnte.

Hormonuntersuchungen

Hormone können direkt untersucht werden und tragen die wertvolle Information in sich: wie, beziehungsweise ob überhaupt eine Hormonbehandlung bei Frauen im Klimakterium durchgeführt werden soll. Der Östrogenspiegel im Blut stellt zwar nur eine Seite der Medaille dar, weil er nicht immer mit dem Östrogenspiegel im Gewebe übereinstimmt. Trotzdem ist er ein wertvoller Parameter, an dem man sich orientieren kann – vor allem dann, wenn Hormone verschrieben werden. Zeigt auch in der Postmenopause – also nach Beendigung der regelmäßigen Monatsblutung – die Frau noch einen aktiven Östrogenspiegel, so kann man daraus schließen, dass andere Gewebe – neben den nicht mehr arbeitenden Eierstöcken – weiter Hormone produzieren. In einem solchen Fall wird man mit der Hormonersatztherapie zurückhaltend sein beziehungsweise sie a priori nur in niedrigsten Dosen verschreiben, da der Körper selbst - außerhalb der Eierstöcke – noch Östrogene herstellt.

Auch das Prolaktin, ein Hormon der Hirnanhangsdrüse, soll berücksichtigt werden, wenn man die Belastung der weiblichen Brust abschätzen möchte. Ein erhöhter Prolaktinspiegel stellt einen Belastungsfaktor für die Brustdrüse dar.
Von Bedeutung ist die Bestimmung des Insulin Like Growth Factor 1. Dieses Hormon, das in der Leber gebildet wird, bringt zahlreiche Zellen „auf Touren“, darunter auch das Prostatagewebe und die Brustdrüse. Ein erhöhter IGF1 Spiegel symbolisiert, dass die Brustdrüsenzellen vermehrt arbeiten und dadurch natürlich auch einer vermehrten Belastung ausgesetzt sind.

Östrogene des weiblichen Körpers werden in der Leber abgebaut, wobei zwei weitere östrogenähnliche Verbindungen entstehen, das 4 Hydroxyöstron und das 2 Hydroxyöstron, die – bevor sie endgültig ausgeschieden werden – eine zeitlang noch im weiblichen Körper und damit auch im Brustdrüsengewebe aktiv sind. Das Verhältnis zwischen diesen beiden Ausscheidungsprodukten ist von Frau zu Frau verschieden; ein erhöhtes 4 Hydroxyöstron ist für die Brust – soweit man dies aus Studien weiß – ungünstig. Das 2 Hydroxyöstron stellt hingegen das „gute Produkt“ dar. Durch eine relativ einfache Untersuchung kann man sich ein Bild darüber verschaffen, wie der weibliche Körper das Östrogen abbaut und ob dabei problematische (4 Hydroxyöstron) oder unproblematische (2 Hydroxyöstron) Metabolite entstehen.    ●