[3.7.1] Brustkrebserkrankungen

Brustkrebserkrankungen nehmen zu, allerdings nicht nur bei der Frau, sondern auch beim Mann. Unterschiedliche Gründe werden dafür von der Medizin diskutiert und überprüft. Die zunehmende Lebenserwartung ist zweifellos ein Hauptgrund: Ältere Zellen können sich Veränderungen, die zum Krebs führen nicht mehr so widersetzen, wie junge dies vermögen. Durch den Alterungsprozess schleichen sich auch fremde DNA-Stücke – wie bei Infektionen – in das Erbgut des Menschen, bringen es durcheinander und inaktivieren – über epigenetische Mechanismen – wichtige körpereigene Gene, die der Krebsabwehr dienen. Dadurch sinkt auch die Widerstandskraft gegen Krebszellen.
Ein weiterer Grund für die Zunahme bösartiger Erkrankungen liegt möglicherweise in der Umwelt. Schadstoffe belasten unseren Körper und können auch zum Krebs führen.

Aber auch die innere und äußere Hormonbelastung – erstere ist vor allem bei übergewichtigen Frauen verstärkt – wird mit der Entstehung des Brustkrebses in Zusammenhang gebracht. Fettzellen sind in der Lage Östrogene herzustellen – an verschiedenen Stellen im weiblichen Körper, vor allem auch in der Brust. Je mehr Fettzellen die Frau besitzt, das heißt also, je übergewichtiger sie ist, umso mehr Östrogen bildet sie in ihrem Körper. Allerdings ist die Östrogen-Story komplexer, als man ursprünglich glaubte. Weibliche Hormone werden in verschiedene weitere Produkte umgebaut, welche in unterschiedlicher Weise die Brustdurchblutung verändern und das Wachstum der Zellen anregen.
Durch die belastete Umwelt schwimmen wir alle offensichtlich in einem „Ozean von Hormonen“, die allerdings nicht vom Körper hergestellt werden, sondern aus der Umweltbelastung kommen. Pestizide, Färbemittel und Rückstände chemischer Fabriken rufen im Körper der Tiere, aber auch in unserem Körper hormonähnliche Reaktionen hervor, die wir in ihrer letzten Konsequenz noch gar nicht abschätzen können. Das Absinken der Spermaqualität des Mannes und die Verminderung seiner Fertilität werden mit diesen „Umweltöstrogenen“ in Zusammenhang gebracht. Vor allem aber scheinen sie die hormonabhängigen Organe in unserem Körper zu belasten, zu denen vor allem die Brust zählt.

Chronischen Entzündungen und Verletzungen sind ebenfalls als Ursachen für hormonabhängige Karzinome, vor allem für den Brustkrebs, genannt. Beides, entzündungsähnliche Reaktionen und Wundheilungsprozesse, führen zu einer verstärkten Neubildung der Blutgefäße, was die Entstehung von Tumoren mitunter fördert. Manche Frauen bringen eine länger zurückliegende Verletzung der Brust mit dem später entstehenden Mammakarzinom in Verbindung; denkbar wäre dies sehr wohl. Entzündungen, an verschiedenen Stellen des menschlichen Organismus, sind mitunter ebenfalls Vorläufer für Geschwulstbildungen.

Nicht zu unterschätzen sind seelische Verletzungen, die sich ungünstig auf das Immunsystem auswirken können. Der wichtigste Stressfaktor, das Kortisol, kann in verschiedenen Zellen des Körpers die Östrogenproduktion ankurbeln (Aromataseinduktion), aber auch entzündungsähnliche Reaktionen hervorrufen. Oft berichten Frauen von schweren Schicksalsschlägen, von der Erkrankung eines Kindes oder vom Tod ihres Mannes und wenige Monate später merken sie einen Knoten in der Brust. Seelische Belastungen, psychische Verletzungen scheinen die Entstehung bösartiger Krankheiten, so auch den Brustkrebs, zu begünstigen.

Um eine präventive Medizin zu betreiben, soll man Risikofaktoren kennen und ihnen gezielt entgegensteuern. Risikofaktoren müssen nicht unbedingt zum Krebs führen, sie öffnen uns einen Freiraum für die Vorbeugung, sie zu kennen führt deshalb zu keiner zusätzlichen seelischen Belastung.